Praxiswissen
Bildschirmarbeitsplatz ergonomisch einrichten und überprüfen
Stuhl, Tisch, Bildschirm und Arbeitsablauf gemeinsam anpassen: praktische Ergonomie-Checkliste mit Beispiel für Büro und Homeoffice.
Herausgegeben von Lilly Systems · Redaktionell aktualisiert:
Bildschirmarbeitsplätze einstellen · 1:46
Ein Bildschirmarbeitsplatz ist dann sinnvoll eingerichtet, wenn die konkrete Person ihre Aufgaben gut sehen, erreichen und in wechselnden Haltungen ausführen kann. Prüfen Sie deshalb nicht nur den Bürostuhl, sondern das Zusammenspiel von Tisch, Bildschirm, Eingabegeräten, Licht und Arbeitsorganisation. Ein teurer Stuhl allein löst weder Blendung noch stundenlange ununterbrochene Bildschirmarbeit.
Die ergonomische Gestaltung gehört zum betrieblichen Gesundheitsschutz. Das SECO erläutert die Anforderungen an Arbeitsplätze und Arbeitsmittel. Die folgenden Schritte sind eine praktische Umsetzungshilfe für gewöhnliche Büroarbeit, keine medizinische Beurteilung und keine pauschale Bestätigung der Rechtskonformität eines Arbeitsplatzes.
Zuerst die tatsächliche Arbeit verstehen
Beginnen Sie mit einem kurzen Gespräch am benutzten Platz. Welche Anwendungen werden gleichzeitig benötigt? Werden Papierbelege übertragen, Videogespräche geführt oder Waren am Empfang erfasst? Arbeitet eine Person ganztags dort oder wechseln mehrere Personen? Lassen Sie einen typischen Ablauf zeigen. Ein aufgeräumter, unbenutzter Tisch verrät wenig über wiederholtes Verdrehen oder schlecht erreichbare Unterlagen.
Fragen Sie nach arbeitsbezogenen Schwierigkeiten: «Wann ist die Schrift schlecht lesbar?» oder «Welche Einstellung können Sie nicht verändern?» Das ist hilfreicher als die Aufforderung, Krankheiten im allgemeinen Betriebsprotokoll offenzulegen. Wiederkehrende Beschwerden sind ernst zu nehmen; erforderliche individuelle oder medizinische Abklärungen gehören in einen geeigneten, vertraulichen Rahmen.
Notieren Sie auch Grenzen der Einrichtung. Ein schmaler Empfangstresen kann für gelegentliche Eingaben geeignet sein, ohne einen vollständigen Büroarbeitsplatz für lange Sachbearbeitung zu ersetzen. Dann betrifft die Lösung möglicherweise die Aufgabenverteilung oder einen zweiten Platz.
Den Arbeitsplatz gemeinsam einstellen
Sitz, Tisch und erreichbare Arbeitsfläche
Erklären Sie die vorhandenen Verstellmöglichkeiten anhand der Anleitung. Stellen Sie Sitz und Arbeitsfläche so aufeinander ein, dass eine entspannte Arbeitshaltung möglich ist, die Füsse abgestützt sind und genügend Beinraum bleibt. Armlehnen dürfen das Heranfahren nicht verhindern. Ablagecontainer und Kabelbündel unter dem Tisch sind keine belanglose Ordnungssache, wenn sie die Haltung einschränken.
Prüfen Sie Tastatur und Maus mit einer echten Eingabeaufgabe: Sind die häufig benutzten Geräte ohne dauerhaftes Vorstrecken erreichbar? Können Unterlagen sinnvoll angeordnet werden? Ist die Tischkante bei der tatsächlichen Nutzung störend? Eine Einstellung wird nicht deshalb richtig, weil sie bei einer anderen Person funktioniert.
Bildschirm, Schrift und Licht
Ordnen Sie den hauptsächlich genutzten Bildschirm zur Hauptarbeitsrichtung aus. Prüfen Sie Höhe, Abstand, Schriftgrösse und Kontrast gemeinsam, statt ausschliesslich einen Abstand auszumessen. Die Person sollte lesen können, ohne sich ständig nach vorne zu beugen oder den Kopf ungünstig zu halten. Bei mehreren Bildschirmen entscheidet die Nutzung über die Anordnung, nicht eine möglichst symmetrische Dekoration.
Beobachten Sie Reflexionen und direkte Blendung auch zu der Tageszeit, an der sie gemeldet werden. Bildschirmposition, Beschattung und Beleuchtung wirken zusammen. Den Bildschirm dauerhaft extrem hell einzustellen, um gegen das Fenster anzukämpfen, ersetzt keine Prüfung des Lichts und Raumklimas.
Laptop und wechselnde Nutzung
Bei längerer Laptoparbeit müssen Bildschirm und Eingabe nicht zwangsläufig an der durch das Gerät vorgegebenen Position bleiben. Prüfen Sie passende externe Eingabegeräte und eine geeignete Bildschirmaufstellung. Ein improvisierter Stapel als Erhöhung ist keine gute Lösung, wenn er instabil ist oder die Lüftung verdeckt. Beachten Sie die Geräteanleitung.
Für geteilte Plätze hilft eine kurze Einstellanleitung direkt am Arbeitsplatz. Sie soll zeigen, welche Hebel und Einstellungen vorhanden sind. Sie ersetzt nicht das gemeinsame Ausprobieren bei der Einführung. Die gleiche Aufgabe entsteht im Homeoffice, dort unter den tatsächlich vereinbarten räumlichen Bedingungen.
Bewegung in den Arbeitsablauf einbauen
Die Einrichtung und die Organisation müssen zusammenpassen. Besprechen Sie Möglichkeiten, zwischen geeigneten Aufgaben und Haltungen zu wechseln. Ein höhenverstellbarer Tisch nützt wenig, wenn niemand seine Bedienung kennt oder das Anschlusskabel beim Hochfahren unter Spannung gerät. Umgekehrt ist ganztägiges Stehen kein allgemeines Ziel.
Planen Sie Unterbrechungen der Bildschirmtätigkeit so, dass die Arbeit sie zulässt. Ein Team kann beispielsweise Telefonvertretung und konzentrierte Bearbeitungszeiten absprechen. Solche betrieblichen Vereinbarungen sind keine frei erfundenen gesetzlichen Pausenregeln; die Arbeits- und Ruhezeiten sind zusätzlich zu beachten. Anpassungen sollen nicht durch eine unveränderte, unrealistische Arbeitsmenge wirkungslos werden.
Fallbeispiel: Zwei Personen teilen einen Empfangsplatz
In diesem fiktiven Kleinbetrieb benutzen zwei Teilzeitmitarbeitende denselben Tisch. Die eine Person vergrössert die Schrift, die andere zieht den Bildschirm näher. Beide berichten, dass eine starre Telefonablage den Bildschirm seitlich verdrängt. Bisher wurde nur ein neuer Stuhl angeboten.
Beim gemeinsamen Versuch wird die Telefonablage versetzt. Die Geräte können nun in der Hauptarbeitsrichtung stehen. Beide Personen probieren die Einstellungen aus; ein kurzes Blatt erklärt die Verstellung. Die Leitung prüft nach zwei Arbeitswochen mit beiden Personen, ob die neue Anordnung im Empfangsbetrieb funktioniert. Diese Frist ist eine bewusst gewählte betriebliche Nachkontrolle, keine gesetzliche Vorgabe.
| Beobachtung | Vereinbarte Anpassung | Nachweis der Wirkung |
|---|---|---|
| Bildschirm seitlich wegen Telefonablage | Ablage versetzen, Bildschirm neu ausrichten | Typische Eingabe ohne dauerndes Verdrehen ausprobiert |
| Einstellungen nach Schichtwechsel unbekannt | Verstellmöglichkeiten gemeinsam erklären | Beide Personen können selbst einstellen |
| Nachmittagssonne spiegelt sich | Beschattung und Position am Nachmittag prüfen | Rückmeldung beider Nutzenden bei vergleichbarer Sonne |
Ein offener Punkt bleibt offen: Reicht die vorhandene Beschattung nicht aus, wird die zuständige Person für eine weitere Lösung benannt. «Besprochen» ist noch kein Wirksamkeitsnachweis.
Checkliste für die gemeinsame Arbeitsplatzprüfung
- Typische Aufgaben und Nutzungsdauer sind bekannt.
- Die nutzende Person hat die vorhandenen Einstellungen ausprobiert.
- Sitz, Tisch, Beinraum und erreichbare Arbeitsfläche passen zusammen.
- Häufig benutzte Eingabegeräte und Unterlagen sind gut erreichbar.
- Bildschirmposition und Schrift wurden bei echter Arbeit geprüft.
- Blendung wurde zur relevanten Tageszeit betrachtet.
- Geteilte Plätze lassen sich verständlich neu einstellen.
- Haltungswechsel und Arbeitsunterbrechungen sind organisatorisch möglich.
- Offene Anpassungen haben Verantwortung, Termin und Nachkontrolle.
- Das Protokoll enthält Arbeitsbedingungen, keine unnötigen Gesundheitsdaten.
Typische Fehler und häufige Fragen
Muss jeder Betrieb sofort alle Möbel ersetzen?
Nein, der Ausgangspunkt ist die tatsächliche Eignung, nicht ein pauschaler Einkauf. Prüfen Sie zuerst vorhandene Einstellmöglichkeiten und konkrete Defizite. Reicht die Ausstattung nicht aus, braucht es eine geeignete Anpassung. Ein knappes Budget macht eine ungeeignete Situation nicht automatisch akzeptabel.
Genügt ein unterschriebener Ergonomiehinweis?
Ein Hinweis belegt keine passende Einstellung. Die Person muss die Hilfsmittel verwenden können, und erkannte Probleme müssen bearbeitet werden. Das dritte ASA-Element zur Instruktion erklärt den Unterschied zwischen Dokumentenversand und praktischer Einführung.
Was tun, wenn eine Anpassung nicht hilft?
Prüfen Sie Umsetzung, Nutzung und die ursprüngliche Annahme. Beziehen Sie bei ungelösten fachlichen Fragen geeignete Ergonomie- oder Gesundheitsfachpersonen ein. Wiederholen Sie nicht lediglich dieselbe Empfehlung und erklären Sie anhaltende Schwierigkeiten nicht vorschnell zur persönlichen Gewohnheit.
Was BetriebsDoku dazu festhält
BetriebsDoku unterstützt die Dokumentation der geprüften Arbeitsplätze, Anpassungen an Stuhl, Tisch, Bildschirm und Eingabegeräten sowie Vereinbarungen zu Bewegung und Rückmeldung. Halten Sie die tatsächlich umgesetzte Änderung und den nächsten Prüfschritt fest. Die Anwendung misst keine Körperhaltung, stellt keine Diagnose und zertifiziert keinen Arbeitsplatz. Für offene Aufgaben bietet das sechste ASA-Element zur Massnahmenplanung den passenden organisatorischen Rahmen.
Quellen und fachliche Grundlagen
- SECO: Ergonomie und körperliche Belastungen
- Fedlex: Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz (Gesundheitsschutz)
Quellenstand: 11.09.2026
Vom Wissen zur betrieblichen Dokumentation
BetriebsDoku unterstützt geeignete Kleinbetriebe beim Festhalten von Angaben, Zuständigkeiten, Aufgaben und Nachweisen. Der kostenlose Eignungscheck klärt das Startprofil. Die hier gezeigten Beispiele müssen an den tatsächlichen Betrieb angepasst werden.
Vor dem Kauf erfahren Sie, welche Tätigkeiten Sie mit BetriebsDoku bearbeiten können und welche Ergänzungen offenbleiben. Eine Branchenbezeichnung allein ist keine Freigabe.