Praxiswissen

Gefahrenrundgang im Büro: prüfen und dokumentieren

Einen Bürorundgang vorbereiten, Beobachtungen konkret beschreiben und passende Massnahmen festlegen: Beispiel und Checkliste für Kleinbetriebe.

Herausgegeben von Lilly Systems · Redaktionell aktualisiert:

Zwei Beschäftigte führen einen Rundgang durch das Büro durch.
Betriebsrundgang dokumentieren Betriebsrundgang dokumentieren · 1:37

Ein Gefahrenrundgang im Büro prüft die tatsächlich genutzten Arbeitsplätze, Wege und Nebenbereiche gemeinsam mit Menschen, die dort arbeiten. Das Ergebnis ist ein konkretes Protokoll: Was wurde angesehen, welche Feststellung gibt es, welcher Schutz besteht und was muss als Nächstes geschehen? Eine Raumliste mit pauschalem «alles in Ordnung» reicht dafür nicht.

Der Rundgang unterstützt das fünfte ASA-Element. Er ist eine praktische Form der Informationsgewinnung, aber keine automatische fachliche Freigabe des Betriebs. Bei Fragen, die eigene Kenntnisse übersteigen, muss geeignete Unterstützung organisiert werden.

Vorbereiten: Umfang, Zeitpunkt und Unterlagen

Legen Sie fest, welche Bereiche und Tätigkeiten Sie betrachten: Arbeitsplätze, Empfang, Besprechungsraum, Küche, Verkehrswege und gegebenenfalls Lager. Ergänzen Sie Tätigkeiten ausserhalb der Räume, etwa Warenannahme oder Homeoffice. Ein Vor-Ort-Rundgang im Büro prüft einen privaten Heimarbeitsplatz nicht automatisch mit.

Wählen Sie einen Zeitpunkt, an dem typische Nutzung sichtbar ist. Für Lieferabläufe ist ein leerer Lagerraum wenig aussagekräftig. Bei Blendung am Nachmittag hilft eine ausschliessliche Morgenbesichtigung möglicherweise nicht.

Nehmen Sie vorhandene offene Punkte, Geräteanleitungen und passende offizielle Hilfsmittel dazu. Die Suva beschreibt die systematische Gefahrenermittlung in Kleinbetrieben. Prüfen Sie den Geltungsbereich einer Checkliste, bevor Sie sie verwenden. Eine branchenfremde Vorlage kann relevante Fragen übersehen oder unnötige Aufgaben erzeugen.

Informieren Sie die beteiligten Beschäftigten über den Zweck: Arbeitsbedingungen verstehen und verbessern. Der Rundgang soll nicht zu einer unangekündigten Suche nach persönlichem Fehlverhalten werden.

In einer nachvollziehbaren Reihenfolge prüfen

Beginnen Sie am tatsächlichen Zugang und folgen Sie dem Arbeitsablauf. So werden Übergänge sichtbar: Wo kommt eine Lieferung an? Wo wird sie abgestellt? Wie gelangt sie ins Lager? Wer benutzt währenddessen den Weg?

Betrachten Sie anschliessend die konkreten Arbeitsplätze. Lassen Sie zeigen, wie Stuhl, Bildschirm und Eingabegeräte tatsächlich verwendet werden. Achten Sie auf erreichbare Arbeitsmittel, Bewegungsraum und erkennbare Einschränkungen. Die Ergonomie-Anleitung behandelt die Einstellung ausführlicher.

Fragen Sie nach Situationen, die gerade nicht sichtbar sind: Kundenandrang, Reinigung, Vertretung oder seltene Wartung. Eine Beschäftigte kann beispielsweise erklären, dass ein unauffälliger Durchgang bei jeder grösseren Lieferung blockiert wird.

Halten Sie vorhandene gute Lösungen ebenfalls fest. Ziel ist eine zutreffende Beschreibung, nicht eine möglichst lange Mängelliste. Anforderungen an Arbeitsplätze und Arbeitsräume ergeben sich unter anderem aus der ArGV 3.

So wird eine Feststellung brauchbar

Beschreiben Sie Ort – Tätigkeit – Beobachtung – mögliche Gefährdung – vorhandenen Schutz – nächsten Schritt. Ergänzen Sie Datum und beteiligte Funktionen. Trennen Sie Feststellung und Vermutung.

Zu allgemein Präziser Eintrag
«Kabel schlecht» «Zugang Besprechungsraum: Anschlusskabel liegt während Videokonferenzen quer im Laufweg; Stolperstelle; feste Lösung noch ungeklärt.»
«Ergonomie nicht gut» «Arbeitsplatz B-04: Maus wegen belegter Tischfläche weit seitlich; gemeinsam mit Nutzerin Anordnung prüfen.»
«Regal kontrolliert» «Regal L-02 angesehen: Herstellerunterlagen nicht verfügbar; zulässige Last und vorgesehene Nutzung noch zu klären.»

Verwenden Sie «nicht geprüft» oder «ungeklärt», wenn Zugang, Unterlagen oder Kenntnisse fehlen. Schreiben Sie keine erfundenen Messwerte oder Traglasten auf. Eine Fotografie kann einen sachlichen Befund ergänzen, sollte aber keine unnötigen Personen, Bildschirminhalte oder vertraulichen Unterlagen zeigen.

Fallbeispiel: Rundgang nach einer Büroumstellung

Ein Fünferteam hat Arbeitsplätze neu angeordnet. Auf den ersten Blick wirkt das Büro aufgeräumt. Beim gemeinsamen Rundgang wird der Besprechungsaufbau so hergestellt, wie er im Alltag benutzt wird.

Dabei liegt ein Anschlusskabel quer zum Zugang. Ausserdem erreicht eine Mitarbeiterin ihre Unterlagen nur mit einer ungünstigen Drehung, weil ein Schrank versetzt wurde. Das Team hält zwei getrennte Punkte fest; es fasst sie nicht unter «Büroorganisation» zusammen.

Der Besprechungsaufbau wird unmittelbar so geändert, dass der Zugang sicher frei bleibt. Für die dauerhafte Anschlusslösung erhält die Bürokoordination eine Aufgabe. Die Ablage wird gemeinsam neu geordnet und nach praktischer Nutzung nochmals betrachtet. Das Protokoll nennt für beide Punkte Verantwortlichkeit und Kontrolle.

Eine offene Frage zum neu genutzten Regal bleibt als Klärung beim Hersteller bestehen. Sie wird nicht als «sicher» bewertet, nur weil bei der kurzen Besichtigung kein Schaden sichtbar war.

Praktische Rundgang-Checkliste

  • Der geprüfte Umfang und der Zeitpunkt sind dokumentiert.
  • Tatsächliche Arbeitsabläufe, nicht nur leere Räume, wurden betrachtet.
  • Zugänge und Wege sind unter üblicher Nutzung nachvollziehbar.
  • Arbeitsplätze wurden mit den Nutzenden angesehen.
  • Licht, Luft und Störungen wurden mit Tageszeit und Nutzung eingeordnet.
  • Erkennbare Mängel an Geräten und Hilfsmitteln wurden aufgenommen.
  • Nebenaufgaben und geringe Besetzung wurden angesprochen.
  • Vorhandene Schutzmassnahmen sind von erst geplanten Lösungen getrennt.
  • Fehlende Angaben und fachliche Grenzen bleiben sichtbar.
  • Jede notwendige Folgeaufgabe hat einen Empfänger und einen nächsten Schritt.

Bei einer akuten Gefahr handeln Sie zuerst angemessen sichernd und dokumentieren danach. Die Liste ist kein Grund, eine gefährliche Situation bis zum letzten Prüfschritt bestehen zu lassen.

Nach dem Rundgang: sortieren und nachkontrollieren

Trennen Sie unmittelbar nötige Sicherung, fachliche Klärung und planbare Verbesserung. Die Massnahmenplanung verbindet diese Schritte mit Zuständigkeit, Termin und Wirksamkeitskontrolle.

Für Arbeitsmittel oder ein kleines Lager können weitergehende Angaben nötig sein. Übernehmen Sie den konkreten Befund in das passende Thema, statt mehrere widersprüchliche Listen parallel zu pflegen.

Informieren Sie die Betroffenen über Entscheidungen. Kontrollieren Sie die Lösung unter passenden Bedingungen und dokumentieren Sie das Ergebnis. Ein Beinaheunfall oder eine erneute Änderung kann eine frühere Nachprüfung auslösen.

Typische Fehler und Fragen

Wie lange dauert ein Rundgang?

Das hängt von Umfang, Tätigkeiten und offenen Fragen ab. Reservieren Sie genügend Zeit für Gespräche und konkrete Beobachtungen. Ein willkürliches Zeitlimit darf nicht dazu führen, wichtige Bereiche als geprüft auszuweisen, obwohl sie nur im Vorbeigehen gesehen wurden.

Müssen wir jedes Mal alles neu erfassen?

Nein. Aktualisieren Sie nachvollziehbar den betroffenen Umfang und verwenden Sie vorhandene Angaben, wenn diese weiterhin zutreffen. Nach wesentlichen Änderungen muss geprüft werden, welche bisherigen Annahmen noch gelten.

Was ist der häufigste Dokumentationsfehler?

Ein Häkchen ohne beschriebenen Prüfumfang. Es lässt später offen, ob ein Arbeitsplatz tatsächlich benutzt beobachtet, nur angesehen oder gar nicht zugänglich war. Ebenso problematisch ist, alle gefundenen Punkte als gleich dringend einzustufen.

Was Sie in BetriebsDoku festhalten können

Das Rundgang-Arbeitsblatt enthält geprüfte Bereiche und Tätigkeiten, Feststellungen je Bereich sowie den Massnahmenplan. Halten Sie konkrete Beobachtungen, vorhandenen Schutz und offene Klärungen fest. Aufgaben und zugeordnete Nachweise ergänzen die Nachverfolgung.

BetriebsDoku führt den Rundgang nicht selbst durch und bewertet unbekannte Bedingungen nicht automatisch als sicher. Der Eignungscheck und das Beispiel unten zeigen, wie ein tatsächlich durchgeführter Rundgang in die betriebliche Dokumentation einfliesst.

Quellen und fachliche Grundlagen

Quellenstand: 11.09.2026

Vom Wissen zur betrieblichen Dokumentation

BetriebsDoku unterstützt geeignete Kleinbetriebe beim Festhalten von Angaben, Zuständigkeiten, Aufgaben und Nachweisen. Der kostenlose Eignungscheck klärt das Startprofil. Die hier gezeigten Beispiele müssen an den tatsächlichen Betrieb angepasst werden.

Vor dem Kauf erfahren Sie, welche Tätigkeiten Sie mit BetriebsDoku bearbeiten können und welche Ergänzungen offenbleiben. Eine Branchenbezeichnung allein ist keine Freigabe.

Einordnung im ASA-System

Wir verwenden Analyse- und Marketingtechnologien. Sie können diese in den Cookie-Einstellungen jederzeit ablehnen. Videos bleiben dabei verfügbar.