ASA-Element 7
Notfallorganisation für kleine Teams aufbauen
Alarmierung, Erste Hilfe, Evakuierung und Zugang organisieren: zwei Szenarien für kleine Schweizer Betriebe und ein Muster für die Notfallplanung.
Herausgegeben von Lilly Systems · Redaktionell aktualisiert:
Notfallorganisation besprechen · 1:38
Dieses Video zeigt ein praktisches Beispiel zu einem Teil des Themas. Den vollständigen Umfang erläutert der Text auf dieser Seite.
Eine Notfallorganisation legt fest, wie Beschäftigte eine Gefahr erkennen, Hilfe alarmieren, Erste Hilfe ermöglichen und sich bei Bedarf in Sicherheit bringen. Sie verbindet dafür die tatsächliche Besetzung mit dem Gebäude, den Tätigkeiten und erreichbarer Unterstützung. Eine Telefonnummernliste ist wichtig, aber allein noch kein funktionierender Ablauf.
Das siebte ASA-Element betrifft auch kleine Büros: Akute Erkrankungen, Verletzungen oder ein Brand können unabhängig von der Beschäftigtenzahl auftreten. Entscheidend ist, dass die Vorbereitung zur ungünstigen, aber realistischen Situation passt – nicht nur zum Vormittag, an dem zufällig alle anwesend sind.
Zuerst die betrieblichen Situationen bestimmen
Betrachten Sie Arbeitsorte, Öffnungszeiten, tatsächliche Anwesenheit und Tätigkeiten. Gibt es Früh- oder Späteinsätze? Sind Personen ausser Rufweite im Lager? Können Besuchende im Gebäude sein? Welche Zugänge sind bei geringer Besetzung verschlossen?
Die Suva beschreibt Notfallorganisation, Erste Hilfe, Brandschutz und Alleinarbeit als zusammenhängende Aufgaben. Umfang und Ausbildung der Hilfeleistenden sowie Material müssen zu den Gefahren, der Betriebsgrösse und dem Standort passen. Daraus folgt keine identische Ausstattungsliste für jeden Betrieb.
Wählen Sie einige nachvollziehbare Szenarien für die Planung: akute Erkrankung während einer Zweierbesetzung, Rauch im benachbarten Bereich oder eine Person, die alleine arbeitet. Bei tatsächlich vorhandenen besonderen Gefahren kommen entsprechende Szenarien hinzu. Ein Bürostandard darf diese nicht ausblenden.
Alarmierung, Hilfe und Zugang zusammen planen
Wer ruft externe Hilfe?
Alle Beschäftigten müssen wissen, wie sie im Notfall geeignete Hilfe alarmieren können. Die Alarmierung darf nicht davon abhängen, zuerst die Geschäftsleitung zu erreichen oder eine interne Freigabe einzuholen.
In der Schweiz gelten unter anderem 144 für den Sanitätsnotruf, 118 für die Feuerwehr, 117 für die Polizei und 145 für Tox Info Suisse bei Vergiftungen; 112 ist die internationale Notrufnummer. Die Suva führt die Notrufnummern und Grundlagen der Ersten Hilfe auf. Bei akuter Lebensgefahr wird die medizinische Notfallhilfe nicht durch eine spätere interne Meldung ersetzt.
Welche Angaben müssen verfügbar sein?
Notieren Sie die genaue Arbeitsadresse mit Eingang, Stockwerk und Besonderheiten des Zugangs. Ein Firmenname oder ein Postfach genügt nicht. Überlegen Sie, ob eine fremde Person den tatsächlichen Eingang finden würde.
Die anrufende Person beschreibt den Ort und das Geschehen und beantwortet die Fragen der Einsatzzentrale. Telefonische Anweisungen der zuständigen Stelle haben Vorrang vor einer improvisierten Interpretation einer betrieblichen Vorlage. Für die Vorbereitung genügt es nicht, nur die private Mobilnummer einer Führungsperson zu speichern.
Wer ermöglicht den Zugang?
Bei ausreichender Besetzung kann eine Person Rettungskräfte am bezeichneten Zugang einweisen, während andere angemessene Hilfe leisten. Bei kleiner Besetzung müssen Aufgaben anders kombiniert werden. Niemand soll eine verletzte Person unnötig allein lassen, nur weil ein Schema drei getrennte Rollen vorsieht.
Klären Sie diese Abhängigkeiten vorher. Zugangsorganisation darf nicht bedeuten, sich in Rauch oder einen anderen gefährlichen Bereich zu begeben. Eigenschutz und die Anweisungen der Einsatzkräfte bleiben massgeblich.
Erste Hilfe betriebsbezogen organisieren
Artikel 36 ArGV 3 bildet eine Grundlage für Erste-Hilfe-Mittel und entsprechende Vorkehrungen. Prüfen Sie mit geeigneten Kenntnissen, welches Material, welche Ausbildung und welche Erreichbarkeit zu Ihrem Betrieb passen. Eine allgemein behauptete Pflicht zu einem bestimmten Gerät oder einer festen Zahl Ersthelfender wäre ohne diese Einordnung unpräzise.
Material muss auffindbar und zugänglich sein. Benennen Sie die Zuständigkeit für die Kontrolle und das Ergänzen verbrauchter oder abgelaufener Inhalte. Berücksichtigen Sie Abwesenheiten: Eine gut ausgebildete Person im Homeoffice ist nicht automatisch eine vor Ort verfügbare Hilfe.
Dieser Artikel vermittelt keine medizinische Behandlungstechnik. Praktische Erste-Hilfe-Fähigkeiten gehören in geeignete Ausbildung und Auffrischung. Die betriebliche Planung sorgt dafür, dass Hilfe gerufen, Material gefunden und die gelernte Unterstützung unter sicheren Bedingungen geleistet werden kann.
Muster für die Planung eines kleinen Teams
Das folgende Beispiel ist fiktiv. Es ersetzt weder eine Gebäudebeurteilung noch ein erforderliches Erste-Hilfe-Konzept.
| Planungsfrage | Ausgefülltes Beispiel |
|---|---|
| Arbeitsprofil | Büro und Empfang; an Randzeiten zwei Personen vor Ort |
| Tatsächlicher Ort | Vollständige Standortadresse im internen Blatt; Eingang und Stockwerk zusätzlich beschrieben |
| Alarmierung | Anwesende Person ruft direkt die geeignete Notfallnummer; keine vorgängige Leitungsfreigabe |
| Erste Hilfe | Verfügbare Kenntnisse und Materialstandort bekannt; Ausbildung und Auffrischung organisiert |
| Zugang | Einweisung nur, wenn Besetzung und Situation dies sicher erlauben; Besonderheiten der Einsatzzentrale mitteilen |
| Evakuierung | Tatsächliche geeignete Wege und sicherer Sammelpunkt mit Gebäudeorganisation abgestimmt |
| Vollzähligkeit | Anwesenheit von Team und Besuchenden prüfen; Vermisste den Einsatzkräften melden |
| Nachpflege | Kontakt- und Zugangsänderungen unmittelbar aktualisieren; Übungserkenntnisse als Aufgaben festhalten |
Tragen Sie im Betrieb die realen Angaben ein. Veröffentlichen Sie keine unnötigen privaten Kontaktdaten oder sicherheitskritischen Gebäudeinformationen im öffentlichen Internet. Der Plan muss für die berechtigten Nutzenden erreichbar sein, auch wenn ein einzelnes Konto oder Gerät nicht verfügbar ist.
Beispiel 1: Akute Erkrankung bei Zweierbesetzung
In einem kleinen Dienstleistungsbüro sind am Nachmittag zwei Personen anwesend. Eine davon erkrankt plötzlich akut. Die andere Person kann nicht gleichzeitig drei getrennte Rollen aus einem grossen Notfallhandbuch übernehmen.
Der vorbereitete Ablauf priorisiert deshalb die sichere Alarmierung und angemessene Hilfe. Die genaue Adresse und der erschwerte Eingang werden der Einsatzzentrale mitgeteilt. Eine erreichbare zusätzliche Person kann nur dann eingebunden werden, wenn dies die unmittelbare Hilfe nicht verzögert. Weitere Schritte richten sich nach Situation, eigenen Fähigkeiten und professionellen Anweisungen.
In der anschliessenden Übungsbesprechung erkennt das Team eine Lücke: Der Zugangshinweis lag nur im Konto der abwesenden Leitung. Die Information wird deshalb zusätzlich passend zugänglich gemacht. Der Nutzen der Übung besteht in dieser konkreten Verbesserung, nicht in einer pauschalen Aussage «Notfallorganisation bestanden».
Beispiel 2: Rauch im angrenzenden Bereich
Ein kleines Büro teilt sich ein Gebäude mit anderen Nutzenden. Gegen Feierabend wird Rauch im angrenzenden Bereich bemerkt. Einige Beschäftigte sind bereits gegangen; eine Besucherin wartet noch am Empfang.
Die Vorbereitung berücksichtigt, dass die tatsächlich Anwesenden und Besuchenden erfasst werden müssen. Alarmierung und sichere Evakuierung werden nach der örtlichen Situation ausgelöst. Niemand kehrt zur vermeintlichen Vollzähligkeitskontrolle in einen gefährlichen Bereich zurück. Fehlende Personen und bekannte Gefahren werden den Einsatzkräften gemeldet.
Die Nachbesprechung prüft, ob der vereinbarte Sammelpunkt die Zufahrt behindert und ob die interne Besucherinformation funktioniert. Erforderliche Änderungen werden mit der Gebäudeorganisation abgestimmt. Die konkrete Prüfung der Fluchtwege geht über eine eingezeichnete Linie auf einem Büroplan hinaus.
Alleinarbeit und Homeoffice gesondert betrachten
Alleinarbeit kann auch vorliegen, wenn andere Menschen im Gebäude sind, aber nicht unmittelbar helfen können. Prüfen Sie tatsächliche Ruf- und Sichtverbindungen, Tätigkeiten und Möglichkeiten, Hilfe herbeizurufen. Eine pauschale Aussage «Im Gebäude ist immer jemand» reicht nicht.
Für das Homeoffice sind Arbeitsort, erreichbarer Notruf und ein angemessener Kontaktablauf relevant. Eine gewöhnliche Chat-Erreichbarkeit garantiert keine Hilfe in einer Situation, in der die betroffene Person nicht mehr selbst schreiben kann.
Welche zusätzlichen Massnahmen erforderlich sind und ob eine Tätigkeit allein ausgeführt werden darf, muss anhand der Gefährdung geklärt werden. Eine App-Vereinbarung macht eine sonst ungeeignete Alleinarbeit nicht zulässig. Datenschutz und Verhältnismässigkeit sind bei Kontakten und Informationen zu berücksichtigen.
Übungen ohne zusätzliche Gefährdung durchführen
Besprechen Sie zunächst ein realistisches Szenario am Tisch und begehen Sie sichere Wege. Prüfen Sie, ob Unterlagen, Material und Zugänge tatsächlich gefunden werden. Notrufnummern dürfen nicht zu Testzwecken ohne vorherige Abstimmung mit der zuständigen Stelle angerufen werden.
Eine Übung soll keine gefährliche Überraschung erzeugen. Planen Sie sie passend zur Belegschaft und zum Gebäude, informieren Sie Beteiligte und klären Sie nötige Abstimmungen. Praktische Lösch- oder Erste-Hilfe-Ausbildungen benötigen geeignete Anleitung.
Halten Sie Erkenntnisse fest: Was war unklar, was fehlte und wer verbessert es bis wann? Nachkontrolle ist ebenso wichtig wie die Übung selbst. Ein neuer Alarmplan nützt wenig, wenn die geänderte Zugangsinformation nicht beim Team ankommt.
Typische Fehler
Nur eine Person kennt den Ablauf. Abwesenheit oder eigene Betroffenheit kann die gesamte Organisation ausfallen lassen.
Material mit Hilfe gleichsetzen. Ein vorhandener Koffer hilft nur, wenn er erreichbar ist und die erforderlichen Fähigkeiten und Abläufe vorhanden sind.
Evakuierung mit Rettung durch Laien verwechseln. Beschäftigte dürfen nicht durch improvisierte Suche oder Rückkehr in einen gefährlichen Bereich zusätzlich gefährdet werden.
Alle Nummern ins öffentliche Web stellen. Öffentliche Notrufnummern sind von privaten Kontakten und internen Zugangsdaten zu unterscheiden. Informationen gehören an den jeweils geeigneten Ort.
Häufige Fragen
Reicht eine Notfallkarte?
Sie ist ein nützliches Hilfsmittel, wenn die dahinterliegenden Abläufe geklärt sind. Die praktische Notfallkarte und Organisation vertieft Adresse, Kontakte und Materialstandort. Eine Karte ersetzt keine Ausbildung oder Gebäudeklärung.
Ist ein Defibrillator in jedem Kleinbetrieb vorgeschrieben?
Eine solche pauschale Aussage wäre falsch. Ausstattung und Organisation sind anhand der Bedingungen und Anforderungen zu beurteilen. Prüfen Sie geeignete Empfehlungen und fachliche Unterstützung für Ihren Standort.
Wann müssen wir den Plan aktualisieren?
Bei relevanten Änderungen von Besetzung, Tätigkeiten, Zugang, Kontakten oder Gebäudeorganisation und nach entsprechenden Erkenntnissen aus Übungen oder Ereignissen. Warten Sie bei einer veralteten Notfallangabe nicht bis zur nächsten Jahreskontrolle.
Was BetriebsDoku dazu dokumentiert
Das Notfall-Arbeitsblatt unterstützt Betriebsadresse und Zugang, Alarmierungsablauf, Erste Hilfe und erreichbare Unterstützung sowie das besprochene Vorgehen. Das Fluchtwegthema ergänzt Wege, Sammelpunkt und Freihaltung. Offene Punkte und zugeordnete Nachweise halten den Bearbeitungsstand fest.
BetriebsDoku ist kein Alarmierungsdienst, keine automatische Überwachung und keine Ausbildung in Erster Hilfe. Nutzen Sie den Eignungscheck und das Beispiel unten, um die Dokumentation mit einer tatsächlich organisierten Hilfe vor Ort zu verbinden.
Quellen und fachliche Grundlagen
- EKAS: die zehn Elemente des ASA-Systems
- Suva: Notfallorganisation im Betrieb
- Fedlex: Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz (Gesundheitsschutz)
- EKAS-Wegleitung: Fluchtwege gestalten
- Suva: Erste Hilfe und Schweizer Notrufnummern
Quellenstand: 11.09.2026
Vom Wissen zur betrieblichen Dokumentation
BetriebsDoku unterstützt geeignete Kleinbetriebe beim Festhalten von Angaben, Zuständigkeiten, Aufgaben und Nachweisen. Der kostenlose Eignungscheck klärt das Startprofil. Die hier gezeigten Beispiele müssen an den tatsächlichen Betrieb angepasst werden.
Vor dem Kauf erfahren Sie, welche Tätigkeiten Sie mit BetriebsDoku bearbeiten können und welche Ergänzungen offenbleiben. Eine Branchenbezeichnung allein ist keine Freigabe.